Ein paar Gedanken zum Thema “Leben mit Twitter”.
(Falls irgendwer dasselbe schon an anderer Stelle gedacht und aufgeschrieben hat: Sorry. Sowas kommt ja im Internet oft vor. “Kenn ich schon!”, “Gibt es längst!”)
Also: Ich versuche auf Basis der eigenen Erfahrungen und Beobachten ein paar Grundsätze aufzustellen, nach denen ich mein Twittern auszurichte. Was natürlich nicht immer gelingt.
Ich glaube, dass man sich in Twitter so verhalten sollte, wie außerhalb von Twitter auch.
Insofern ist die neue Medienkompetenz, vor der manche Leute vielleicht Angst haben, eine eigentlich bereits vorhandene ganz normale Lebenskompetenz:
1. Mut zur Lücke
*** Bei Twitter: ***
Man kann nicht alles lesen. Das macht einen nur verrückt. Wenn man mal einen Tag ausgesetzt hat, macht es keinen Sinn, alle Tweets nachholen zu wollen.
*** Im Offline-Leben: ***
Wenn man um 2 Uhr morgens auf eine Party kommt, fragt man auch nicht der Reihe nach jeden Gast, was er der ganzen Abend getrieben und geredet hat, bevor man selber mit Feiern anfängt.
2. Privates privat lassen
*** Bei Twitter: ***
Die @Name Funktion macht nur dann Sinn, wenn die Mitteilung auch von anderen verstanden wird. Sowas wie “@Name: ja!” verbraucht nur öffentlichen Raum. Speziell, wenn es um etwas ganz Persönliches geht: Finger weg vom @.
*** Im Offline-Leben: ***
Schon mal auf einer Party gewesen und sich laut über die Köpfe der anderen Gäste hinweg mit einem Freund über den Termin beim Proktologen unterhalten? Nein? Dachte ich mir. Das erledigt man ja auch eher per Insohrflüstern.
3. Sich nicht vollquatschen lassen
*** Bei Twitter: ***
Man sammelt fleißig Follower und followt diesen zurück. Das hat man davon: Zwischen zwei interessanten Tweets liest man dann plötzlich wichtige Mitteilungen über die Röhrenkondensatorenkonfiguration bei Ubuntuserverinstallationen. Nicht an jeden Follower klammern. Jetzt ist es an der Zeit, zu unfollowen.
*** Im Offline-Leben: ***
Wer sich auf einer Party mir dem Drink in der Hand zu einer Gruppe Leute stellt, um sich am Smalltalk zu beteiligen und dann feststellt, dass er an ein paar – sagen wir – Doktoranden der Molekularbiologie geraten ist, die gerade auf höchstem Niveau die Implikationen ihrer Arbeit diskutieren, dann lächelt man freundlich, nickt, tut so, als ob man am anderen Ende des Raums einen alten Freund gesehen hat und macht sich vom Acker. (Achtung: Gilt nur, wenn man selbst keine Molekularbiologe ist und sich auch nicht für das Feld interessiert.)
Weitere Regeln tbd.





Sehr schön!
D.h. Twitter == Leben, Leben == Party? So einfach ist es nicht.
Wohl noch nie auf einer schlechten Party gewesen?
Ist alles richtig.
Mein Eindruck übrigens: Bei der Auswahl von Friends bzw. dem Zurück-Followen muss man heute schon deutlich mehr aufpassen als noch vor ein paar Monaten.
Sehe ich genauso. Gut getroffen.
@Pony:
Dir ist schon aufgefallen, daß die “Party” stellvertretend für soziale Zusammenkünfte aller Art im RL steht? Du kannst sie auch durch “vollbesetztes Wartezimmer beim Proktologen” oder “gemeinsames Großkantinenessen” ersetzen, die Regeln gelten trotzdem.
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