Heute haben wir Tweetmarkt.de gelauncht und meine größte Angst war:
“Hoffentlich gibts das nicht schon! Hoffentlich launcht nicht heute einer mit derselben Idee und wir launchen erst morgen! Hoffentlich bin ich nicht wieder der Hase und irgendein Igel steht schon da und grinst.”
Von Berufswegen her beschäftige ich mich mit dem Ideenhaben.
Die Welt ist groß und es gibt viele Leute, deren Beruf oder Berufung es ist, Ideen zu haben.
Dazu kommen noch all die Menschen, die einfach Ideen haben, ohne dass es ihr Beruf ist.
Oder kurz: Viele Menschen haben auch viele Ideen.
Mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, ist es ganz einfach, seine Idee anderen Menschen zu erzählen und es ist ganz einfach, sich in die Tat umgesetzte Ideen aus aller Welt jederzeit anschauen zu können.
Und siehe da: Ideen tauchen plötzlich doppelt, dreifach, vierfach auf.
Das passiert besonders in der Werbung, im Marketing, in der Kommunikationsbranche.
Was kein Wunder ist.
In der informationsindustrietechnologisierten Welt sitzen auf allen Kontinenten in tausenden von Städten abertausende von Menschen, die dafür bezahlt werden, die Probleme ihrer Kunden mit Ideen zu lösen.
Kulturellen Unterschieden zum Trotz, gehe ich davon aus, dass es (nicht nur) in dieser Branche so etwas wie eine globale Kultur gibt, die auch durch die global verbreitete Technologie geprägt ist.
Ein Werber aus Stockholm wird sich mit einem Werber aus Mumbai über berufliche Dinge bestens verständigen können.
Abertausende Kreative werden von aberhunderten Unternehmen, die die gleichen Produkte herstellen, mit der Aufgabe betreut, z.B. mehr Kühlschränke zu verkaufen.
Also sitzen während der Entstehung dieses Artikels werweißviele Leute, die ähnlich bis gleich ticken, an ähnlichen bis gleichen Problemen, verwenden dafür die gleichen Methoden, die gleiche Hardware, die gleiche Software und haben dabei die gleichen Klamotten an.
Und dann kommen sie auf die gleichen Ideen.
Was eigentlich nicht schlimm ist.
In einer Welt vor gar nicht allzulanger Zeit, war man mit einer Idee der einzige weit und breit.
Dass irgendwo auf der anderen Seite des Globus vielleicht jemand eine Woche vorher dieselbe Idee hatte – irrelevant.
Heute ist das nicht mehr so.
Heute werfen Kommunikative aus Brasilien ihren Berufskollen aus Deutschland Plagiarismus vor, weil zwei Anzeigen den gleichen Witz haben oder zwei Websiten die gleiche Funktion etc.
Interessanterweise wachsen hier zwei Sachen parallel in den Himmel:
Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas ein Plagiat ist, so hoch wie nie, denn es ist so einfach wie nie, anderen Menschen durchs Web auf die kreativen Finger zu schauen.
Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen auf unterschiedlichen Seiten des Globus dasselbe einfällt auch so hoch wie nie, denn noch nie haben soviele gleichdenkende Menschen gleichzeitig an Ideen für gleichlautende Aufgaben gearbeitet.
Leider macht das einem als Ideenhabenmüsser doch schwer zu schaffen.
Hat man eine Idee, googelt man mal ein bisschen und schwupps denkt man:
“Mist, irgendwer in Ulan Bator hatte die Idee bereits, das können wir vergessen.”
Oder man hat eine Idee, erzählt sie ein paar Leuten und aus allen Ecken kräht es:
“Hat schon mal einer in Ulan Bator gemacht, vergiss es!”
Um diesen “Gibts doch schon!” Frust zu überwinden, habe ich noch nicht das geeignete Rezept gefunden.
Aber erstens: Irgedwer arbeitet gerade daran und findet vielleicht vor mir eine Lösung.
Und zweitens: Dieser Blogbeitrag wurde bestimmt auch schon irgendwo geschrieben.
P.S.:
Ich habe das furchtbare Wort Globalisierung übrigens nicht einmal verwendet! Ach Mist, jetzt schon.





Ich hab das zumindest so noch nie vorher gelesen!
Finde ich schön auf den Punkt gebracht. Eine Lösung habe ich auch noch nicht. Vor allem weil es mir auch vorgestern wieder mal so ging. Kommt aber immer auf die Idee an. Bei Werbung ist das sicher anders als bei Geschäftsideen. Klar ist es blöd wenn die doch so einigartig klingende Idee schon irgendwo betrieben oder and den Start gebracht wurde, aber ist das nicht auch eine Bestätigung, dass die Idee vielleicht nicht komplett abwegig ist? Man kann das ja dann dennoch besser machen als die anderen.
Es gab immer schon Parallelentwicklungen. Einige “zweitplatzierte” Doktoranten oder möchtegern Nobelpreisträger können da sicher mehrere Lieder von singen. Wichtig ist aber immer was man daraus macht. Das erste ist nicht immer das Beste. Man kann auch aus Fehlern lernen.
Danke für das Lob!
Im Artikel habe ich ja auch viele Aspekte außen vor gelassen und mich auf die individuelle Sicht und die Frustration des Einzelnen konzentriert.
Natürlich ist auf der Welt Platz und Lebensraum für gleiche Ideen.
Gleiche Ideen können koexistieren, friedlich oder im wirtschaftlichen Wettstreit um Marktanteile.
An dieser Stelle kommt der Aspekt “Marke” ins Spiel.
Also gleichen Ideen unterschiedliche Images und Ausprägungen verleihen und zum Erfolg verhelfen.
Das macht die Welt ja auch bunt und spannend.
Hier ist der Igel: http://www.tweal.net
Man tröste sich mit dem Gedanken: es gab auch schon Suchmaschinen vor google
Auf den hat mich Tweal-Initator Sven an unserem Launchtag gestern auch schon hingewiesen.
Mit anderen Worten: Ein positiver Effekt ist, dass sich auf diesem Wege Gleichgesinnte ja auch finden können.
Und es gab auch Autos vor Opel und vor allen Dingen wird es welche nach Opel geben