Generationskonflikt

Es hat in den letzten Tagen und Wochen ein kolossales Missverständnis gegeben. Dieses Missverständnis äußert sich nun in einem Generationskonflikt.
Das Besondere: Es ist kein Generationskonflikt zwischen zwei Generationen, sondern er findet innerhalb einer Generation statt.
Das Problem: Heutzutage gibt man Generationen gerne Namen.
Namen wie “Generation Golf” oder “Generation Upload” bergen jedoch eine Gefahr: Sie suggerieren eine Homogenität, die es nicht gibt.

Zunächst und ursprünglich bezeichnet der Begriff Generation ja nur eine vom Geburts- und Lebenszeitraum definierte Menschengruppe. Der Generationsbegriff schließt keine weiteren soziodemografischen Merkmale wie z.B. Einkommen, Bildung, Familienstand oder politische Gesinnung ein.
Das bedeutet: Eine Generation ist nach “Gesamtbevölkerung” der zweitkleinste soziologische Nenner.
Eine Generation ist damit ein äußerst heterogener Haufen.

Wirklich? Fast. Die Heterogenität lässt sich einschränken, denn eine Generation wird durchaus geprägt durch äußere Umstände, die zum Beispiel auch Einzug in das kollektive Bewusstsein halten und damit eine Generation auch über das reine Alter hinaus beschreibbar machen.
Das können zum Beispiel technische Erfindungen sein, die es vorher nicht gab und mit denen eine Generation somit historisch als erste lebt und umgeht.
(Wobei gerne vergessen wird, dass sich auch Mitglieder anderer Generationen dieser Techniken mehr oder weniger schnell bedienen und von diesen ebenfalls geprägt werden.)

Aber die großen Themen wie ein technischer Fortschritt reichen m.E. nicht aus, um einer Generation plötzlich Homogenität zu verleihen und sie über einen Kamm zu scheren.

Genau das wird in diesen Tagen gemacht. Interessanterweise sind es Mitglieder der angeblichen “Generation Upload” selbst, die sich und ihre Altersgenossen in diese Schublade stecken, einen Namen darauf schreiben und damit eine nicht existierende Homogenität suggerieren und medial ausschlachten.

Aus Gleichaltrigen werden durch ein Namensschild Gleichdenkende gemacht.

Das ist ein Fehler. Der Fehler der Vereinfachung.

Die Folgen dieses Fehlers lassen sich im Netz gerade in Foren und Kommentarthreads beobachten – ausgelöst von einer Werbekampagne.
Da wird gestritten und geschimpft.
Dabei tritt ein weiteres Merkmal unserer Generation zutage:
Im Internet wird auf gute Kinderstube sehr oft verzichtet und es wird in einem Ton miteinander umgegangen, bei dem es einem manchmal Angst und Bange wird.

Woher kommt das Streitpotenzial?
Es kommt daher, dass die vermeintliche “Generation Upload” sich selbst in dieser Begrifflichkeit verfangen hat und sich der Einzelne damit konfrontiert sieht, es plötzlich mit Andersdenkenden zu tun zu haben, obwohl er sich in einem homogenen Umfeld wähnt.

Wir sind eine Generation. Aber wir sind Individuen. Mit individuellen Meinungen, Weltbildern, Wünschen etc.

Das ist nicht schlimm. Das ist normal. Und das soll und wird auch so bleiben.
Egal, wer wen wie nennt, um sich ein vereinfachtes Bild zusammenzuschustern.

Eine Sache sollte “uns” aber doch gemein sein bzw. werden:
Ein repsektvollerer Umgang miteinander.

2 comments to Generationskonflikt

  • -Namen wie “Generation Golf” oder “Generation Upload” bergen jedoch eine Gefahr: Sie suggerieren eine Homogenität, die es nicht gibt.-

    die gab es ja nie. auch “früher” nicht. das bild einer generation wird von der “elite” geprägt. insofern trifft “upload” schon zu. auch wenn es da unterschiede gibt und bei weitem nicht alle bloggen und schon gar nicht twittern – vor allem die ganz jungen (noch) nicht.

  • Wenn “Upload” die “Elite” ist dann sollte sie sich auch wie eine verhalten. Ich dachte immer, das Kritik auch konstruktiv sein darf und eine Diskussion vorantreibt, die durchaus Antworten bedarf. Interessante Interpretation der Ursachen, Oliver, ich glaube aber dass die Meisten, die hier so schreien in solch eine Gedankentiefe gar nicht gelangen.

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>