Why TV Lost. Guter Artikel über den Medienwandel.

Link: http://paulgraham.com/convergence.html

Auszug:

The somewhat more surprising force was one specific type of innovation: social applications. The average teenage kid has a pretty much infinite capacity for talking to their friends. But they can’t physically be with them all the time. When I was in high school the solution was the telephone. Now it’s social networks, multiplayer games, and various messaging applications. The way you reach them all is through a computer.
Which means every teenage kid (a) wants a computer with an Internet connection, (b) has an incentive to figure out how to use it, and (c) spends countless hours in front of it.

This was the most powerful force of all. This was what made everyone want computers. Nerds got computers because they liked them. Then gamers got them to play games on. But it was connecting to other people that got everyone else: that’s what made even grandmas and 14 year old girls want computers.

Risiken und Nebenwirkungen

Der Spiegel macht ja in dieser Woche im weitesten Sinne mit unserem Thema auf uns untersucht die Risiken und Nebenwirkungen der “neuen” sozialen Netze und der Lust am virtuellen Networking.
(Der Spiegel-Titel wird auch in diesem Artikel aufgegriffen: http://off-the-record.de/2009/03/02/risiko-facebook/)

In dem Artikel wird stark auf das Verhalten von jungen Menschen fokussiert, die im Eifer des Gefechts vergessen, wie öffentlich ihr Treiben im Netz ist.
Da gibt es dann die üblichen Horrorstories von Frauen, die ermordet wurden, weil sie ihren Status bei Facebook auf “Single” gesetzt haben.
Aber: Vieles in dem Artikel ist des Überdenkens wert. Speziell, was das eigene Verhalten betrifft – auch wenn die Jugend schon ein paar Jährchen zurückliegt.
Was man manchmal auf Facebook und Twitter so aus dem eigenen Netztwerk zu lesen bekommt, lässt einen ja doch gelegentlich kurz die Luft durch die Zähne ziehen.
Auf Facebook werden Wall-to-Wall Familienprobleme gelöst, die definitiv ein paar Grad zu intim sind oder auf Twitter wird gegen Kollegen geschossen, die sofort wüssten, dass sie gemeint sind, wenn sie den Tweet zu Gesicht bekämen.

Vor ein paar Tagen habe ich hier im Forum den Artikel “Lebe in Twitter, wie Du außerhalb von Twitter lebst” veröffentlicht, in dem ich versucht habe, für mich ein paar Regeln festzuhalten.

Ich möchte ergänzen:

1.) Don’t drink and Twitter.
(Erklärt sich quasi von selbst.)

2.) First think then twitter.
(Manchmal sollte man seinen Tweet erstmal woanders notieren, fünf Minuten liegen lassen, ihn sich nochmal anschauen und sich fragen: Ist das was für alle?)

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den Artikel zurückkommen und die beschriebenen Auswirkungen auf das Sozialleben von Jugendlichen, die sich online nach dem Motto “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” verhalten.

Fragen:

Braucht es sowas wie einen Internetführerschein für Jugendliche? Eine Aufklärungsaktion? Muss das Schulstoff werden?

Befinden wir uns in einer Übergangsphase?
(Oft genanntes Paradeszenario: Man Twittert über ein feuchtfröhliches Gelage und am Montag weiß der Chef Bescheid, dass man die Sau raus gelassen hat und macht einem Feuer unterm Hintern…)
Ist sowas in Zukunft kein Problem mehr, weil alle twittern und man sich gegenseitig mit Toleranz begegnet?
(Motto: What happens on Twitter stays on Twitter.)

Lebe in Twitter wie außerhalb von Twitter

Ein paar Gedanken zum Thema “Leben mit Twitter”.
(Falls irgendwer dasselbe schon an anderer Stelle gedacht und aufgeschrieben hat: Sorry. Sowas kommt ja im Internet oft vor. “Kenn ich schon!”, “Gibt es längst!”)

Also: Ich versuche auf Basis der eigenen Erfahrungen und Beobachten ein paar Grundsätze aufzustellen, nach denen ich mein Twittern auszurichte. Was natürlich nicht immer gelingt.

Ich glaube, dass man sich in Twitter so verhalten sollte, wie außerhalb von Twitter auch.
Insofern ist die neue Medienkompetenz, vor der manche Leute vielleicht Angst haben, eine eigentlich bereits vorhandene ganz normale Lebenskompetenz:

1. Mut zur Lücke

*** Bei Twitter: ***
Man kann nicht alles lesen. Das macht einen nur verrückt. Wenn man mal einen Tag ausgesetzt hat, macht es keinen Sinn, alle Tweets nachholen zu wollen.

*** Im Offline-Leben: ***
Wenn man um 2 Uhr morgens auf eine Party kommt, fragt man auch nicht der Reihe nach jeden Gast, was er der ganzen Abend getrieben und geredet hat, bevor man selber mit Feiern anfängt.

2. Privates privat lassen

*** Bei Twitter: ***
Die @Name Funktion macht nur dann Sinn, wenn die Mitteilung auch von anderen verstanden wird. Sowas wie “@Name: ja!” verbraucht nur öffentlichen Raum. Speziell, wenn es um etwas ganz Persönliches geht: Finger weg vom @.

*** Im Offline-Leben: ***
Schon mal auf einer Party gewesen und sich laut über die Köpfe der anderen Gäste hinweg mit einem Freund über den Termin beim Proktologen unterhalten? Nein? Dachte ich mir. Das erledigt man ja auch eher per Insohrflüstern.

3. Sich nicht vollquatschen lassen

*** Bei Twitter: ***
Man sammelt fleißig Follower und followt diesen zurück. Das hat man davon: Zwischen zwei interessanten Tweets liest man dann plötzlich wichtige Mitteilungen über die Röhrenkondensatorenkonfiguration bei Ubuntuserverinstallationen. Nicht an jeden Follower klammern. Jetzt ist es an der Zeit, zu unfollowen.

*** Im Offline-Leben: ***
Wer sich auf einer Party mir dem Drink in der Hand zu einer Gruppe Leute stellt, um sich am Smalltalk zu beteiligen und dann feststellt, dass er an ein paar – sagen wir – Doktoranden der Molekularbiologie geraten ist, die gerade auf höchstem Niveau die Implikationen ihrer Arbeit diskutieren, dann lächelt man freundlich, nickt, tut so, als ob man am anderen Ende des Raums einen alten Freund gesehen hat und macht sich vom Acker. (Achtung: Gilt nur, wenn man selbst keine Molekularbiologe ist und sich auch nicht für das Feld interessiert.)

Weitere Regeln tbd.